Auktion

zugunsten von ONE FINE DAY e.V.

Erlös: 303.900 Euro

Sonntag, 10. Februar, 17 Uhr
Auktionator: Daniel von Schacky (Villa Grisebach)
Contemporary Fine Arts
Am Kupfergraben 10, 10117 Berlin
Tel. + 49 - 30 - 288 78 70

Künstler

Markus Bacher
Peter Böhnisch
Birgit Brenner
Anton Corbijn
Aldo Cristofaro
Tacita Dean
Christa Dichgans
Zhivago Duncan
Martin Eder
Laurence Egloff
Marcel Eichner
Oliver Flössel
Max Frisinger
Douglas Gordon
Mathew Hale
Gregor Hildebrandt
Olaf Holzapfel
Andy Hope 1930
Volker Hueller
Christian Jankowski
Thomas Kiesewetter
Michael Kunze
Alicja Kwade
Jonathan Meese
Olaf Nicolai
Tal R
Anselm Reyle
Daniel Richter
Julian Rosefeldt
Michael Sailstorfer
Norbert Schwontkowski
Katja Strunz
Gert & Uwe Tobias
Marlon Wobst
Ralf Ziervogel
Thomas Zipp

Vorbesichtigung

DIENSTAG, 29. JANUAR – SAMSTAG, 9. FEBRUAR, 11–18 UHR
SONNTAG 10. FEBRUAR, 10–16 UHR

Lot No. 1

Andy Hope 1930 (* 1963, München)
FOREVER PEOPLE, 2012
Tusche auf Papier, 43 x 21 cm

Courtesy the artist and Galerie Guido W. Baudach

Andy Hope 1930 is known for crossing and contrasting his basis in Modernism with stylistic elements from the popular mass media. His work spans a variety of media. Things, forms, properties, techniques, references, genres, attitudes and stories coincide, but without ever giving the impression of being custom-fit, for gaps and inconsistent materials are intentionally allowed to remain. Elisions and proliferations occur, and, most notably, surprising hybrids which move between historic monuments, relics of the contemporary and spectres of futuristic fantasies.

Mindestgebot 2.500 Euro / Hammer 3.100 Euro

Lot No. 2

Tacita Dean (* 1965, Canterbury, UK)
Ugly Dolly Diptych, 2010
gefundene Postkarten, gerahmt, je 13,5 x 8,5 cm

Courtesy the artist

”Ugly Dolly Diptych“, 2010 is a found postcard work. In about 2001, I began looking for postcards in the Berlin flea market. I found the postcard of the doll without the eyes very early on; it was one of the first. I have an aversion to dolls but I was attracted to her blindness. Then ten or so years later, I found the doll with sight. I thought the dolls would be the same but when I put them together, they were significantly different. It is simple, and a bit ugly, but a lot happens between the sight of one and the blindness of the other. (Tacita Dean)

Mindestgebot 6.000 Euro / Hammer 8.000 Euro

Lot No. 3

Markus Bacher (* 1983, Kitzbühel, AT)
COLOGNE, 2011
Acryl auf Leinwand, 180 x 150 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Markus Bacher ist als Künstler ein mit seltener Intensität arbeitender, ausschließlicher Maler. Es ist die Malerei und nur die Malerei, mit der er sich mitteilt. Es sind die großen und größten Formate, die ihn am meisten herausfordern und beschäftigen. (Peter Weiermair)

Mindestgebot 7.000 Euro / Hammer 11.000 Euro

Lot No. 4

Anselm Reyle (* 1970, Tübingen)
Hufeisen, 2013
Fundstück, verchromt, gerahmt, 16 x 14 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Reyle könnte man als Archäologen der Gegenwart oder der jüngeren Vergangenheit bezeichnen. Seine Kunst konzentriert sich vor allem darauf, bestimmte Kunstwerke und Artefakte der Moderne des 20. Jahrhunderts, der postmodernen Popkultur und der Street Art einer neuen Betrachtung zu unterziehen – oder, wie manche Kritiker meinen, sie zu pervertieren. Stets geht er gegen den Strich dessen, was im Mainstream der Kunstwelt erwartet, aktuell wertgeschätzt oder für geschmackvoll gehalten wird. (David Ebony)

Mindestgebot 3.000 Euro / Hammer 10.000 Euro

Lot No. 5

Marlon Wobst (* 1980, Wiesbaden)
Einer für alle, 2011
Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm

Courtesy the artist and SCHWARZ CONTEMPORARY

Mit Ölfarbe auf Leinwand arbeitet Marlon Wobst sich durch eine Vielzahl an Motiven, immer interessiert an der Schnittstelle von Inhalten und kompositorischen Fragen, die auf das Objekt Leinwand hinweisen können, der Wahrnehmung desselben dienlich, gleichzeitig die Illusion des Inhaltlichen zerstörend. Wechselwirkend ist man angezogen und abgestoßen; das heißt dann für mich, so Marlon Wobst, Malerei.

Mindestgebot 800 Euro / Hammer 1.600 Euro

Lot No. 6

Jonathan Meese (* 1970, Tokio, JP)
Jail Or Zeus / Uwe Bohm, 1998
bemaltes Photo auf Leinwand, 159 x 100 cm

Courtesy Contemporary Fine Arts

Ich glaube, diese Weltwunder konnten nur entstehen durch Demut, gepaart mit Größenwahn, der nicht unbedingt bei den Demütigen angesiedelt war, aber von irgendwoher hinzukommen musste. Das waren dann vielleicht Einzelfiguren oder Priester. (Jonathan Meese)

Mindestgebot 5.500 Euro / Hammer 11.000 Euro

Lot No. 7

Martin Eder (* 1968, Augsburg)
Ohne Titel / Untitled, 2012
Aquarell, 28 x 21.5 cm

Courtesy the artist, Galerie EIGEN + ART and Hauser & Wirth

Martin Eders Arbeit liest sich seit langem als codierte Ironie, melancholisches Zwischenstadium im Kosmos aus Neuer Sachlichkeit, scharf zynischer Anti-Haltung und zeitgenössisch-figürlicher Malerei und Installation. Seine Arbeiten berühren thematisch die Pole von überlegter Ästhetik und vordergründiger Trivialität. Ursprung dieses Gegensatzes sind junge Frauen, die der Künstler scheinbar der unmittelbaren Alltagswelt des Betrachters entnimmt. Ergebnis ist ein beinahe psychologisierender Einblick in die Protagonistinnen, der von Euphorie über Hilflosigkeit bis zu lähmender Lethargie reicht. Eder tritt mit seinen Arbeiten gegen unerfüllte Sehnsüchte und die fortschreitende Banalisierung einer immer mehr vereinheitlichten Gefühlswelt an.

Mindestgebot 3.500 Euro / Hammer 7.500 Euro

Lot No. 8

Anton Corbijn (* 1955, Strijen, NL)
Gwyneth Paltrow hitchhiking, 1995 and Allen Ginsberg hitchhiking, 1996,
Photos, Unikate, zusammen in einem Rahmen, je 40 x 40 cm

Courtesy the artist

In the years since he used his dad‘s camera to snap an obscure prog-rock band called Solution, Anton Corbijn has remained besotted with photography. He‘s been such an exhaustive chronicler of U2 and Depeche Mode that he‘s known as both bands‘ invisible member. Then, three years ago, he became a film director, making the award-winning Control about troubled Mancunian glum rockers Joy Division. ”I didn‘t really know how to make a film when I made Control. I had to create my own language, just as I did when I started taking photographs. I never studied either one.“ But surely clueless film directors don‘t win prizes at Cannes? ”True, but film-making is extreme for me. I can‘t use lights. I need others to help me to put shots together. Directing film is the hardest thing I have ever done.“ Even though you directed more than 100 rock videos? ”I know just enough not to look stupid. Mostly that means I know who to ask.“ (Anton Corbijn in conversation with Stuart Jeffries, The Guardian, 25 November 2010)

Mindestgebot 6.000 Euro / Hammer 10.000 Euro

Lot No. 9

Olaf Nicolai (* 1962, Halle / Saale)
KOMBINATION, 2008-36, 2008
Farbige Papiere, Flechtarbeit, 24 x 24 cm

Courtesy the artist and Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Olaf Nicolai steht mit seinen Arbeiten in der Tradition der Konzeptkunst, die das Verhältnis von Idee und Bild oder von Idee und Objekt überprüft. Mit konzeptionellen Ansätzen und unterschiedlichen Medien stellt Nicolai die gewohnten Betrachtungsweisen der Alltagswelt immer wieder infrage. Theorien aus Natur- und Geisteswissenschaften übersetzt er ästhetisch-künstlerisch und lässt sie im neuen Kontext erfahrbar werden. Olaf Nicolais Arbeit ist konzeptueller Natur und oft durch (sozial)politische Referenzen geprägt, in denen multiple und oft gegenläufige Aspekte (Sozialismus und Kapitalismus, Hedonismus und Idealismus) sich vermengen und überlappen. Sowohl thematische Elemente wie Produktionsprozesse und Kommodifizierung als auch die Sphäre der Ästhetik und die Rolle des Betrachters d.h. des Teilnehmers werden in seiner Arbeit reflektiert.

Mindestgebot 1.300 Euro / Hammer 4.000 Euro

Lot No. 10

Alicja Kwade (* 1979, Kattowitz, PL)
hemmungslos, 2009-2013
Glas, Becks Bierflasche mit Etikett, 45 x 80 x 20 cm

Courtesy of the artist and Johann König, Berlin

„hemmungslos“ von Alicja Kawade impliziert die Reste eines geselligen Ereignisses, wie einem Fest oder einer Party. Gleichzeitig ist sie rabiater Ausdruck einer gewaltsamen Protestszene; wenn unter anderem Flaschen gegen Fensterscheiben geschmissen werden. Sie fällt hier jedoch ins Leere. Die Scheibe bietet der Flasche keinen Widerstand, sie ist wirkungslos. Die Arbeit ist Standbild einer unmöglichen Bewegung. Unter normalen Umständen ist es einer Bierflasche nicht möglich, eine Scheibe zu passieren ohne diese zu zerstören. „hemmungslos“ steht im Zusammenhang mit anderen Arbeiten von Alicja Kwade, in denen sie sich mit der Magie und den Eigenschaften der physischen Realität beschäftigt und sie hinterfragt.

Mindestgebot 4.000 Euro / Hammer 6.500 Euro

Lot No. 11

Mathew Hale (* 1962, Swindon, UK)
Page 70 of DIE DUNKLERE MIRIAM, 2012
Mischtechnik, Collage, 43,4 x 48 cm

Courtesy the artist and Wentrup, Berlin

Ausgangspunkt der Arbeit Mathew Hales ist die klassische Papiercollage, aus der sich auch dreidimensionale Objekte und Dia-Projektionen entwickeln. Die Werkfindung beginnt stets ohne konkrete Vorstellung des Ergebnisses, ganz im Sinne der surrealistischen écriture automatique. Seine Collagen entstehen durch Assoziieren von Ideen, Shuffeln von Buchseiten, Postern, Magazinen, Zeitungen und Fotografien; Hinzufügen zeichnerischer Elemente oder den spontanen Einsatz von Worten und Schrift. Als Ressource erweist sich Material unterschiedlichster Datierung, Herkunft und Bedeutung. Im freien Spiel mit Form und Inhalt verbinden sich Fragmente aus Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fiktion zu traumhaft-alogischen Bildern, die jedoch stets von einer konkreten Denkstruktur geprägt sind. Dokumentiertes, Gefundenes und Erdachtes verweisen auf verschiedene Ebenen von Wirklichkeit: Den privaten und den öffentlichen Blick auf Phänomene und Ereignisse. Indem er diese Oppositionen kombiniert, verknüpft Hale Bildelemente und inhaltliche Komponenten zu einer Art konstruierten Erinnerung.

Mindestgebot 2.000 Euro / Hammer 2.000 Euro

Lot No. 12

Christian Jankowski (* 1968, Göttingen)
Die Jagd / The Hunt, 1992/1997
Video (1 x VHS (signiert), 1 x DVD) video, 1:11 min., PAL, 4:3, Farbe, Ton, Schuber mit Siebdruck,
Edition 45 / 200

Courtesy the artist

For a week, Jankowski lives off goods he hunts down in the supermarket. Archaically armed with bow and arrow, and yet nobly pushing his trolley, he shoots down deep-frozen chickens, margarine, bathroom tissue, and all the other things he needs. Unimpressed, the checkout woman scans the trophies of the “bargain hunt”, which still have the arrows sticking out of them.

Mindestgebot 2.000 Euro / Hammer 3.000 Euro

Lot No. 13

Michael Kunze (* 1961, München)
Was ist Metaphysik?, 2007
Öl auf Leinwand , 60 x 50 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Kunze zitiert gründlich und anschaulich die gesellschaftliche Dekonstruktion seit dem überhöhten Idealbild der Antike. Er arbeitet in seiner abseitigen, zeitlos eigenartigen Malerei seit über 20 Jahren mit der Akribie des Irregulären, der Mischung aus überscharfer Genauigkeit und großzügig missachteten Umrissen an seinem allegorischen Figuren- und Bildarrangement. (Gregor Jansen)

Mindestgebot 3.500 Euro / Hammer 4.000 Euro

Lot No. 14

Thomas Kiesewetter (* 1963, Kassel)
Saturn, 2012
Stahl, Metallblech, Farbe , 110 x 108 x 37 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Thomas Kiesewetter sucht nach dem, was es so noch nicht gab, es ist das Phänomen seiner Werke, dass sie innerhalb dieser bestimmbaren Tradition von Skulptur eine neue eigenständige Ausdrucksform darstellen. Es gibt eine beständig im Wechsel wirkende Empfindung von Variationen des Räumlichen. Expansion von Formen, dann wieder die Kompression, Einfachheit und Komplexität, Reichtum der Formen und eine handwerkliche Direktheit, um die Bauweise immer sichtbar zu belassen. Es ist dieses Verwirrende in den Skulpturen zu erkennen, dass reziproke Prozesse der Wahrnehmung gleichzeitig auftreten. Bauen und schauen, schauen, um sich eine Vorstellung zu bauen. (Friedrich Meschede)

Mindestgebot 16.000 Euro / Hammer 22.000 Euro

Lot No. 15

Volker Hueller (* 1976, Forchheim)
Lost in the stars II, 2013
Radierung, Aquarell, Schellack auf Papier, Unikat, 191 x 135 cm

Courtesy the artist

Volker Hueller’s hand-coloured etchings score out the forms of harlequined physiognomies set into dark and ambivalent landscapes. Taking the form of portraits or narratives, the muted palette and dense atmosphere hint at a suppressed violence that is rich with historical references from Art Nouveau to early Surrealism. In addition to his figurative work, Hueller’s large-scale collaged canvases are seemingly abstract, the monochrome surface emphasising the patchwork textures: fake fur, leather, metallic sheeting, PVC and reptileskin- patterned materials. Yet, from his trademark interlocking fragments and planes emerge hints of figurative forms creating an oscillation between abstraction and figuration: the narratives dissolve into ornamentation while the forms of the broken planes evoke the human form. (culturenova.com)

Mindestgebot 3.500 Euro / Hammer 5.800 Euro

Lot No. 16

Peter Böhnisch (* 1977, Waiblingen)
Ohne Titel / Untitled, 2011
Acryl, Tusche und Pigment auf Leinwand , 140 x 80 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Auch wenn die Bedeutung der Szenerien von Peter Böhnisch nicht vollständig zu entschlüsseln ist, so laden die Arbeiten doch dazu ein, kurz innezuhalten und sie in einem Moment der Stille zu betrachten. Das Geschehen könnte sich dann auf ganz andere Art erklären – nicht dem Verstand, sondern dem Gefühl. Es basiert auf den existenziellen Bestandteilen des Seins – dem menschlichen Leben, dem Spiel der Elemente.

Mindestgebot 7.000 Euro / Hammer 7.000 Euro

Lot No. 17

Birgit Brenner (* 1964, Ulm)
Sie musste eine Entscheidung treffen, 2009
Papier, Kugelschreiber, Filzstift, Klebestreifen , 24 x 33 cm

Courtesy the artist and Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

In raumgreifenden Installationen und Zeichnungen setzt sich Birgit Brenner gesellschaftskritisch mit Auswirkungen des sozialen Abstiegs, mit Einsamkeit und der Angst vor dem Alter auseinander. Anhand alltäglicher Situationen thematisiert die Künstlerin in Szenen zwischen Paaren oder inneren Dialogen der Protagonisten allzu vertraute gesellschaftliche Ängste. Als ironischen Kommentar auf die Facetten der zeitgenössischen Gesellschaft verstreut Birgit Brenner über ihre Installationen Textfragmente, die in ihrer zerlegten Form ein Gerüst bilden, dessen fragmentarische Erzählung es gilt, mit eigenen Bildern zu füllen.

Mindestgebot 700 Euro / Hammer 2.600 Euro

Lot No. 18

Ralf Ziervogel (* 1975, Clausthal-Zellerfeld )
Aktion 3000, 2013
Aquarell, Tinte auf Papier, 61 x 46 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Ralf Ziervogel zeichnet seine Figuren im Aktionsradius seiner Hand und entwickelt die weitläufigen Szenarien in klassischer Tintentechnik erst nach und nach ohne Vorzeichnung. So wird in haarfein gezeichneten Ketten ein Körper an den nächsten geknüpft, Gliedmaßen aneinandergebunden und zerstört, so dass die verbogenen Figuren und Szenerien nach und nach weiterwachsen. Bei größerer Entfernung werden die kleinteiligen und amorphen Abgründigkeiten zu ornamentalen Mustern, in denen es keinen Anfang und kein Ende zu geben scheint.

Mindestgebot 2.900 Euro / Hammer 3.000 Euro

Lot No. 19

Christa Dichgans (* 1940, Berlin)
Paper Plane, 2012
Öl auf Leinwand , 60 x 50 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Und doch bleibt auch in den Arbeiten jüngeren Datums die Agglomeration von bunten Bruchstücken der Wirklichkeit, welche die Künstlerin aus dem turbulenten Strom des Lebens herauslöst, ein kompositorisches Grundprinzip. In ihrem ganz eigenen realitätsgeladenen Popsurrealismus ist das „Anhalten von Zeit“ mit dem Drama des Alltäglichen vereint. Damit eröffnet sie immer wieder überraschende Perspektiven auf die uns umgebende Welt und macht diese in ihrer Absurdität und Abgründigkeit, aber auch in ihrer Schönheit und unerschöpflichen Wandelbarkeit sichtbar. (Belinda Grace Gardner)

Mindestgebot 3.000 Euro / Hammer 3.000 Euro

Lot No. 20

Olaf Holzapfel (* 1969, Görlitz)
Babel languages real basic space U3S, 2009
C-Print auf Archiv-Papier, Unikat, 70 x 52.5 cm

Courtesy the artist and Galerie Gebr. Lehmann Berlin/ Dresden

Das Bild „Babel languages real basic space U3S“ ist Teil eines Konvoluts von Digitalbildern, die Olaf Holzapfel unter den Titeln „Verhandelte Zeichen“ und „Unbestechliche Archive“ in den Jahren 2005 bis 2009 entwickelte. Die Bilder beschäftigen sich mit dem urbanen Raum und der gleichzeitigen Präsenz einer unbegrenzten virtuellen Welt. Das Resultat dieser Gleichzeitigkeit unserer Raumwahrnehmung ist für jeden Einzelnen höchst subjektiv und doch bestimmt von wiederkehrenden Mustern, Handlungsabläufen und Gegenständen. Private Imagination und Vereinbartes bestimmen unseren Gang durch Raumcluster und lassen eine naturalistische Wirklichkeit in den Hintergrund treten. So erscheint jedes Bild als Zeichnung einer Navigation, eine Formulierung von Erinnerungen. In ihrer Idee einer visuellen Aufzeichnung setzten die Bilder filmische Arbeiten und Notationen von Performancekünstlern aus den 1970er, 1980er Jahren in einer zeitgenössischen Bildsprache fort.

Mindestgebot 2.500 Euro / Hammer 4.000 Euro

Lot No. 21

Max Frisinger (* 1980, Bremen)
Eisenhauer, 2013
Gusseisen, poliert, 58 x 29.5 x 16 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Roboterhaft wirken die veränderten Heizkörper, manche sehen aus wie sich zum Flug erhebende Vögel oder haben die Schnauze eines Krokodils, gleichen Türmen oder hochgereckten Stelen, besonders imposant, wenn sie einer Wirbelsäule ähneln. Frisinger widmet seine ganze Werkgruppe „Buderus“ der seit 1731 bestehenden, gleichnamigen deutschen Eisenguss- und Heizungsfirma. Witzig, komisch, bedrohlich, aggressiv und poetisch gelang ihm die Verwandlung der industriell gefertigten Hohlgusskörper zu Kunst. Er hat sich an ihnen abgearbeitet, kratzte und schliff die Lackierung ab und polierte das Metall mit Schleifer, Bürste und Sandpapier. „Die Form“, sagt er, „ergab sich durchs Wegschlagen“. So arbeitet ein Bildhauer, der Plastiker arbeitet anders, er baut durch Hinzufügen auf. (Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung, 15. Januar 2013)

Mindestgebot 8.000 Euro / Hammer 10.000 Euro

Lot No. 22

Douglas Gordon (* 1966, Glasgow, UK)
Ohne Titel / Untitled (Kids drawing 07), 2010
Bleistift, Schreibstift, Tinte auf Papier , 15 x 23 cm

Courtesy the artist

While he is best known for his films and complex large-scale video installations, often presented on multiple screens, Gordon‘s oeuvre also encompasses photographs, texts and objects. Gordon draws inspiration from cinema, literature, art, popular culture and his own life experience, wavering between personal and collective memory. He explores the existential themes of life and death, good and evil, innocence and guilt, and temptation and fear. (Tel Aviv Museum of Art, 2013)

Mindestgebot 3.800 Euro / Hammer 5.500 Euro

Lot No. 23

Gert & Uwe Tobias (* 1973, Kronstadt (Brasov), RO)
Ohne Titel / Untitled, 2013
farbiger Holzschnitt auf Leinwand , 200 x 168 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Die Arbeiten von Gert und Uwe Tobias sind ein Reisebüro des Realen, das die ganze Nacht geöffnet hat und für Phantasmen wirbt. Kann man bei ihren Arbeiten dann von Idylle sprechen? Idylle bezeichnet einen Zustand, in dem Unruhe und Unrast fehlen: Die Natur steht für sich, sie ist beschaulich und rein. Sie ist somit das Gegenbild der Apokalypse, die bedrohlich und unbezähmbar wirkt. Dazwischen gibt es noch die Pastorale, in der die Natur im Einklang mit dem menschlichen Tun steht. (Florian Waldvogel)

Mindestgebot 20.000 Euro / Hammer 36.000 Euro

Lot No. 24

Michael Sailstorfer (* 1979, Velden / Vils)
Lenkrad (2), 2012
Aluminium, Sprühfarbe , t = 13, Ø 38 cm

Courtesy of the artist and Johann König, Berlin

Es handelt sich bei der Arbeit um ein dreidimensionales Wandbild aus der Werkgruppe „Lenkrad“ (2012): ein an die Wand montiertes PKW-Lenkrad, aus Styropor geschnitzt und anschließend in Aluminium gegossen, das in seiner Form Bewegung und Wegstrecke impliziert. Rechts, links, geradeaus, egal - die Fahrt scheint ins Ungewisse zu führen, in die Weite und zugleich gegen die Wand. Die Arbeit lässt den Ausgang der Reise offen, beschränkt sich auf den Prozess der Bewegung, des Fahrens.

Mindestgebot 3.000 Euro / Hammer 4.500 Euro

Lot No. 25

Oliver Flössel (* 1977, Bad Kreuznach)
Ohne Titel / Untitled, 2012
Öl, Acryl, Lack auf Leinwand , 117 x 108 cm

Courtesy the artist and SCHWARZ CONTEMPORARY

Flössels großformatige Gemälde sind das Logbuch seiner täglichen Erfahrungen und Eindrücke. Ähnlich einem Tagebuch beinhalten sie Spuren von Gedanken, von Erlebtem, Fragmente von Wahrgenommenem, die zu einem neuen Ganzen gebracht werden. Hierdurch gibt Flössel dem Funktionieren von Kommunikation eine bildliche Form: Das auf die Leinwand Gebrachte ist der Inhalt einer Unterhaltung zwischen dem Künstler und dem Bild, die Farben und Formen funktionieren als Satzbausteine.

Mindestgebot 1.500 Euro / Hammer 3.000 Euro

Lot No. 26

Norbert Schwontkowski (* 1949, Bremen)
LEUCHTEN, 2011
Öl auf Leinwand, 80 x 110 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Schwontkowski durchbricht die Dualismen von Subjekt und Objekt, indem seine Motive und Protagonisten haltlos vor sich hin treiben. Seine Arbeiten evozieren Leere, Absurdität und Sinnverfehlungen und spielen so auf psychische Zusammenhänge an. In „Die Ordnung der Dinge“ bleibt für Foucault die manifestierte Leere die letzte Möglichkeit einer Verweigerung bei vordergründiger Konformität und eine Investition ins Nichts: „In unserer heutigen Zeit kann man nur noch in der Leere des verschwundenen Menschen denken. Diese Leere stellt kein Manko her, sie schreibt keine auszufüllende Lücke vor. Sie ist nichts mehr und nichts weniger als die Entfaltung eines Raumes, in dem es schließlich möglich ist zu denken.“ (Florian Waldvogel)

Mindestgebot 8.000 Euro / Hammer 26.000 Euro

Lot No. 27

Thomas Zipp (* 1966, Heppenheim)
D.I.R.T.S.A., 2011
Mixed Media auf Papier, 32.5 x 42.5 cm

Courtesy the artist and Galerie Guido W. Baudach

Thomas Zipp has devised his narrative conceptualism in various media over more than a decade. His multipart installations, often containing combinations of drawing, painting and sculpture, illustrate surreal or dreamlike figments of something defying exact definition, as in a vision. At the same time, they are strangely suggestive and have an aura of aestheticization. Zipp uncovers hidden connections between art history, science, politics and psychology and deploys them in his work. Through consistent interweaving and superimposition, conventional or canonical readings of various systems of signs and meaning are called into question and replaced by new chains of interlinked statements that have their own unique logic.

Mindestgebot 2.500 Euro / Hammer 3.700 Euro

Lot No. 28

Julian Rosefeldt (* 1965, München)
The Shift, 2008
6 C-Prints, je 29 x 36 cm
Edition 39/50

Courtesy the artist

In der Fotoserie „The Shift“ (2008, parallel zur gleichnamigen vierkanaligen Filminstallation entstanden) sieht man eine Nachtwächterfigur – stets derselbe Darsteller in vier verschiedenen Rollen – einsam durch die verschiedensten ort- und zeitlosen Industriewelten irren, die Julian Rosefeldt ästhetisch zwischen Science-Fiction und veralteter Technik ansiedelt. Der Protagonist befindet sich in einem System, das sich komplett verselbständigt hat. Rosefeldt zeigt hier eine Parallele zur Gegenwart auf, in der die Technik in ihrer Komplexität von einem einzelnen Menschen nicht mehr verstanden werden kann, sondern höchstens noch von einer Schar kommunizierender Spezialisten.

Mindestgebot 1.800 Euro / Hammer 4.500 Euro

Lot No. 29

Marcel Eichner (* 1977, Siegburg)
Blumen, 2012
Gouache, Acryl und Tusche auf Leinwand, 39.5 x 39.5 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Wie er denn anfängt, frage ich den Künstler. Er kippt zunächst Farbe und Tusche auf die Leinwand drauf – manchmal bewusst, manchmal durch Unfälle. Dann lässt er das Bild erstmal machen. Je nachdem was es dann gemacht hat, greift Eichner malend ein. Die Figuren werden mit Tusche konturiert oder in das Acryl gekratzt, also eher gezeichnet als gemalt, und wirken so wie Chiffren für Menschliches oder Kreatürliches. Sie sind nicht modelliert, sondern bleiben flach, ohne Volumen und ohne Rückversicherung anatomischer Korrektheit, die ist sogar verpönt. Auf Photos oder anderer Künstler Abbildungen schauen ist beim Malen sowieso verboten. Es muss schnell gehen, daher auch Tusche und Acryl statt Öl. Manchmal überholt das Bild dann den Künstler, die Figuren erfinden oder malen sich praktisch selbst, fangen an zu interagieren und zwingen zu spontaner Reaktion. (Nicole Hackert)

Mindestgebot 3.000 Euro / Hammer 5.500 Euro

Lot No. 30

Katja Strunz (* 1970, Ottweiler)
Ohne Titel / Untitled, 2011
Collage, 30.5 x 21.5 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Letztlich wirft Katja Strunz die Frage auf, wie stark uns die Modernismen tatsächlich noch im Griff haben, wie schwer sich die Kunst von einer geschätzten, aber überkommenen Ästhetik und auch von unliebsamen Trugschlüssen lösen kann. Strunz lässt das modernistische Credo an die Formreduktion angefangen vom Futurismus über den Suprematismus bis hin zur Land Art assoziativ nachschwingen. (Birgit Sonna)

Mindestgebot 1.800 Euro / Hammer 4.200 Euro

Lot No. 31

Laurence Egloff (* 1972, Paris, FR)
Zeus II, 2012
Öl auf Leinwand , 30 x 40 cm

Courtesy the artist and SCHWARZ CONTEMPORARY

Als Ausgangspunkte dienen Laurence Egloff oftmals Werke der figürlichen Malerei aus der Kunstgeschichte sowie private Fotografien. Diesen Quellen ist gemein, dass sie im Moment des Betrachtens bei der Künstlerin ein besonderes Gefühl evozierten oder eine Erinnerung heraufbeschworen. In der weiteren Auseinandersetzung mit diesen Bildern zieht sie Reproduktionen heran, bei denen die Details der Originale nicht mehr deutlich zu sehen sind.

Mindestgebot 500 Euro / Hammer 1.700 Euro

Lot No. 32

Gregor Hildebrandt (* 1974, Bad Homburg)
Das Werk ist die Spiegelung der Arbeit im Bild (Auch wir sind in Arcadien geboren (Madge Evans)), 2012
digitaler Pigmentdruck, Unikat, 84 x 63 cm

Courtesy the artist and Wentrup, Berlin

Die Kunst von Gregor Hildebrandt lässt sich am ehesten mit dem Begriff der konzeptuellen Bildfindung beschreiben, obgleich auch damit eine begriffliche Schublade aufgemacht wird, in der sich der Künstler nur schwer einordnen lässt. Seit 1999 arbeitet Gregor Hildebrandt mit Kassettentapebändern und seit 2003 mit Videotapebändern als bevorzugtes Material. In eng aneinanderliegenden Bahnen werden Leinwände ganz oder teilweise beklebt, Papierarbeiten und Skulpturen erstellt oder sogar ganze Hauswände und Räume verhängt. Die beschichtete Oberfläche der Tapebänder bewirkt dabei eine Reflektion des Lichtes und der Umgebung des Raumes, die das Bild nie gleich erscheinen lässt. Die Strenge der Arbeiten Hildebrandts weckt dabei nur scheinbare Assoziationen an formale Reduktionen wie sie seit den 1960er Jahren bekannt sind. Das Minimale erscheint bei Hildebrandt nie wertungsfrei, sondern wird im Gegensatz dazu poetisch aufgeladen.

Mindestgebot 3.000 Euro / Hammer 7.000 Euro

Lot No. 33

Daniel Richter (* 1962, Eutin)
Ohne Titel / Untitled, 2012
Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Einige Gemälde widmen sich dem Motiv des Heldenbildes, „Hey Joe“ (2011, 240 x 180 cm) etwa, wo ein Taliban einem Cowboy Feuer gibt – und die strukturelle Nähe der Antagonisten vorführt. Beide werden als Heroen des einsamen Kampfes verklärt, und nicht nur vor diesem Motiv fällt einem wieder ein, dass es auch der Westen war, der die Taliban einst gegen die Sowjets unterstützte und dass Saddams Paläste von innen aussahen wie amerikanische Wohnzimmer. (Niklas Maak, FAZ, 14.10.2011)

Mindestgebot 15.000 Euro / Hammer 34.000 Euro

Lot No. 34

Tal R (* 1967, Tel Aviv, IL)
Fog over Malia bay, 2012
Öl und Dispersion auf Pappe, Künstlerrahmen, 122 x 94 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

In seinem Werk bezieht sich Tal R sowohl auf die Kunstgeschichte als auch auf die Populär- und Undergroundkultur, auf Musik, Film oder Comic, aber auch auf Beobachtungen des Alltags, auf eigene Erlebnisse und Erinnerungen. Dabei fokussiert er stets Fragen nach neuen Wegen, die die zeitgenössische Kunst zwischen Illusionismus, Figuration und Abstraktion gehen kann. Pendelnd zwischen lustvoller Anarchie, humorvollen, ironischen Anspielungen, einem Overkill an Informationen und einer strengen Ordnung, holt er die zeitgenössische Welt mit ihren Fragen und Problemen in seinen facettenreichen, mitunter lyrisch anmutenden Kunstkosmos und involviert sie in einen übergreifenden Kunstdiskurs. (Beate Ermacora)

Mindestgebot 6.000 Euro / Hammer 17.000 Euro

Lot No. 35

Zhivago Duncan (* 1980, Terre Haute, USA)
The beauty of the World F.M, 2012
Modell, Epoxydharz, Farbe, Stecknadeln, Holz, 71 x 66 x 23 cm

Courtesy the artist and Contemporary Fine Arts

Während Dick Flash den verbrannten und unfruchtbaren Boden des von ihm bewohnten Planeten wie ein Vagabund durchstreift, fühlt er sich bald dazu veranlasst, absurde Relikte zu schaffen, um den vergessenen Mechanismen und obsoleten technischen Errungenschaften der Menschheit Tribut zu zollen. Auf sich gestellt – abgesehen von den Biestern, die er als göttliche Freunde adoptiert – wird Dick Flash zu einem Übermenschen, der die Geschichte und Religion der Menschheit neu schreibt, indem er mechanische Konstruktionen einsetzt, welche die vorherige, wenn auch nur zeitweilige Herrschaft des Menschen über die Natur und die Wildnis bezeugen. (Zhivago Duncan)

Mindestgebot 3.500 Euro / Hammer 7.200 Euro

Lot No. 36

Aldo Cristofaro (* 1970, Scordia, IT)
Der Mond die Affen und das Ganze Drumherum, 2011
Acryl auf Leinwand , 110 x 90 cm

Courtesy the artist

Seine Werke sind ein Feuerwerk von kraftvollen, hellen und lebendigen Farben. Sie vermitteln Kraft, Begeisterung und setzen die Phantasie frei. Der in Berlin lebende Künstler hat seine eigene rätselhafte Sprache mit einem spielerischen Alphabet von Symbolen erschaffen – die Beherrschung der poetischen Kraft der Farben. (Virginie Puertolas-Syn)

Mindestgebot 3.500 Euro / Hammer 5.000 Euro


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Die Auktion

Diese Ausstellung und Auktion entstand aus einer Begegnung mit Nicole Hackert und Bruno Brunnet, den Machern der Galerie Contemporary Fine Arts in Berlin, die wir vor einigen Monaten ansprachen und fragten, ob sie sich vorstellen könnten, uns zu helfen. Wir erzählten von unserem Projekt ONE FINE DAY e.V. und spürten sehr schnell, wie das Interesse und die Begeisterung bei den beiden (ohnehin schon sehr vielfältig aktiven) Galeristen wuchs, und sich schließlich zu einer konkreten Idee formte.

Eine Ausstellung von internationalen, solidarischen Künstlern, die allesamt ihre Werke umsonst zur Verfügung stellen, damit diese bei einer anschließenden Auktion, deren Erlöse ausschließlich dem Verein zugutekommen, versteigert werden: Mit diesem Konzept glauben wir, unsere Arbeit in Ostafrika, die mit großem Bedacht auf eine lange Laufzeit ausgerichtet ist, nachhaltig sichern und ausweiten zu können.

Im Verlauf der folgenden Wochen und Monate trafen wir auf viele, die sich von Brunos, Nicoles und unserer Entschlossenheit anstecken ließen: Galeristen, Kulturarbeiter, Journalisten, und natürlich Künstler. Diesen sind wir besonders dankbar dafür, dass sie sich trotz einer gewissen Überdosis an vergleichbaren Anfragen für unser sehr eigensinniges und von uns (auch vor Ort) persönlich betreutes Projekt begeistern konnten.

Mit den ausgewählten, zum Teil sehr ungewöhnlichen Arbeiten können wir nun sowohl eine relevante Öffentlichkeit mit unserem Projekt vertraut machen als auch den Fortbestand und Ausbau der Initiative für einen nicht unerheblichen Zeitraum sichern.

Nur für fünf Tage (vom 6. bis 10. Februar 2013) wird diese Konstellation von Werken in den Räumen von Contemporary Fine Arts zu sehen sein – viele davon erstmalig. Einige wurden speziell für diese Ausstellung angefertigt.

Parallel wird in einem separaten Raum ein Einblick in die Arbeit unserer jungen kenianischen Kunststudenten ermöglicht: Eine Auswahl von 25 Bildern wird dabei – natürlich nur ausschnitthaft – abbilden können, welche Talente dort aus zuweilen tiefstem Schlaf geweckt werden.

„Fundraising“ dieser Art ist im Ausland gang und gäbe; hier in Deutschland aber immer noch eine eher rare freie Fördermethode, die sich nur langsam durchzusetzen scheint. Die Unabhängigkeit unserer Initiative ist aber eins unserer Kerninteressen bei der Arbeit mit ONE FINE DAY e.V. – keine Bürokratisierung, keine Abhängigkeit von Verteilungsmustern der institutionalisierten Förderungen soll den Geist dieses Unterfangens schmälern, das nichts weniger versucht, als einen befreienden Stimulus in eine Lebenskultur zu pflanzen, der ihr kreatives Selbstverständnis wiederzufinden versucht.

Ihre Unterstützung kann entscheidend dazu beitragen. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Marie Steinmann & Tom Tykwer

One Fine Day e.V.

ONE FINE DAY e.V. – 2008 von Marie Steinmann und Tom Tykwer gegründet – ist ein gemeinnütziger Verein, der in Zusammenarbeit mit der britischen NGO „Anno’s Africa“ vorwiegend in Ostafrika aktiv ist. Ziel des Vereins ist es, durch die Lehre von Kunstpraktiken und die Vermittlung ästhetischer Prinzipien Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Regionen der Welt einen Zugang zu den Phantasie- und Entdeckungsräumen der Kunst zu ermöglichen.

Besonders kontinuierlich realisiert sich die Arbeit des Vereins bisher in mehreren der größten Slums von Nairobi, Kenia: Kibera, Mathare und Majengo. Jährlich werden dort an den (sehr spartanisch ausgestatteten) Schulen in zweimonatigen Intensiv- Workshops Unterrichtskonzepte in den Bereichen Bildende Kunst, Theater, Tanz, Ballett, Musik, Erzählerisches Schreiben und Akrobatik entwickelt, die für das darauf folgende Jahr die pädagogische Grundlage bieten. Europäische Künstler arbeiten eng mit kenianischen Lehrern zusammen, um die ansonsten sehr rudimentäre Ausbildung (Lesen, Schreiben, Rechnen) durch kreative Programme zu erweitern.

Das Konzept ist sehr erfolgreich: Mehr als 600 Kinder und Jugendliche (Tendenz steigend) nehmen jährlich an den Intensiv-Workshops teil, und besuchen anschließend wöchentlich die sogenannten „Weekend Art Clubs“, in welchen die frisch erworbenen Kenntnisse das ganze Jahr hindurch vertieft werden können.

Parallel dazu ist aus One Fine Day e.V. ein Filmworkshop-Konzept hervorgegangen, das sich „One Fine Day Films“ nennt: Hier arbeitet man nach ähnlichem Prinzip, aber mit jungen erwachsenen Filmemachern aus dem ganzen Kontinent, an originär afrikanischen Stoffen und Geschichten, die zu abendfüllenden Filmdrehbüchern entwickelt werden. Diese werden dann mit einem Team, das in einem (einmal jährlich stattfindenden) Intensiv-Trainingsworkshop gebildet wurde, vor Ort realisiert.

Ziel der Initiative ist auch – jenseits der individuellen Entfaltungsmöglichkeiten für die Beteiligten –, in programmatischer Hinsicht ein Zeichen zu setzen. Entwicklungshilfe, das wird seit längerer Zeit vielfältig diskutiert, befindet sich in einer komplizierten Phase des Übergangs. Durch die bürokratisierte Systematik westlicher Verteilungsprogramme hat sich im Laufe der Jahre ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt, das zum Teil fatale Konsequenzen nach sich zieht.

Viele Menschen in benachteiligten Regionen verlieren den Bezug zu Selbstversorgung, Selbstbehauptung, Selbstbestimmung. Mit zunehmend abstrakten Belieferungsabläufen werden die Betroffenen – wenn auch unbeabsichtigt – sukzessive entmündigt und vernachlässigen eigenständige Initiativen, welche Stabilität in ihre Versorgungsketten bringen könnten. Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen, und ein Mittel ist in unseren Augen, frühzeitig anzusetzen: an den Schulen, in der Ausbildung – an der Basis.

Durch die Auseinandersetzung mit Kunst entsteht bei den jungen Menschen ein differenzierteres Bild von ihren individuellen Möglichkeiten (und Grenzen), das sich später – so glauben wir – in selbstbewussteres Handeln übersetzen wird. In jeder Hinsicht, in viele Richtungen. Die Begegnung mit Kunst und künstlerischem Ausdruck setzt einen Denkapparat in Gang, der das Verhältnis zu den persönlichen Fähigkeiten und gestalterischen Ambitionen stabilisiert und prägt. In diesem Sinne hat ein Projekt wie One Fine Day e.V. für uns Modellcharakter: Wir hoffen, viele Nachahmer zu finden.

Mehr dazu: onefineday.org

One Fine Day e.V. finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliederbeiträge, ist also mit keinem der üblichen NGO-Kanäle assoziiert. Auch das aus gutem Grund: Wir bemühen uns, die bürokratischen Kosten und den Verwaltungsaufwand so klein wie möglich zu halten, damit ein maximaler Anteil des uns zur Verfügung stehenden Geldes direkt in die Projekte fließt.

Dank an

KÜNSTLER

Markus Bacher
Peter Böhnisch
Birgit Brenner
Anton Corbijn
Aldo Cristofaro
Tacita Dean
Christa Dichgans
Zhivago Duncan
Martin Eder
Laurence Egloff
Marcel Eichner
Oliver Flössel
Max Frisinger
Douglas Gordon
Mathew Hale
Gregor Hildebrandt
Olaf Holzapfel
Andy Hope
Volker Hueller
Christian Jankowski
Thomas Kiesewetter
Michael Kunze
Alicja Kwade
Jonathan Meese
Olaf Nicolai
Tal R
Anselm Reyle
Daniel Richter
Julian Rosefeldt
Michael Sailstorfer
Norbert Schwontkowski
Katja Strunz
Gert & Uwe Tobias
Marlon Wobst
Ralf Ziervogel
Thomas Zipp

MITARBEITER

Daniela Cwikla
Marcel Gerbrecht
Philipp Haverkampf
Rachel Keeler
Carolin Leistenschneider
Elisa Nitschke
Miriam Schwarz
Imke Wagener
Susanne Weber
Antje Wewer

GALERIEN

Galerie Guido W. Baudach
Contemporary Fine Arts
Galerie EIGEN + ART
Johann König, Berlin
Galerie Gebr. Lehmann
SCHWARZ CONTEMPORARY
Wentrup

UNTERSTÜTZER

artbutler
Bilderrahmen Landwehr
Druckhaus Köthen
Farbanalyse
Jochen Littkemann
Manfred Herrmann / H/P/T/P/
Philipp Kroll / Kroll Art & Projects
Christian Schubert / fkmedia – audiovisuelle lösungen
RA Marcellus Puhlemann
Sarah Nöllenheidt / buero noc
Snoeck Verlag
Villa Grisebach Auktionen


Kontakt / Impressum

One Fine Day e.V.
Marie Steinmann
Kastanienallee 79,
D–10435 Berlin

mariesteinmann@onefineday.org
www.onefineday.org

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Anmeldungen zum Pressegespräch am Mittwoch, 6. Februar 2013 und
Ansprechpartner für Rückfragen/Pressefotos/Interviewanfragen:

Elisa Nitschke <presse@onefineday.org>

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